Samstag, 9. Februar 2013

Und jetzt?

Gestern hab ich ihn angesprochen. Den alten Mann, der in der Nachbarschaft wohnt, in einem kleinen, heruntergekommenen Hexenhäuschen.
Wenn man dran vorbei läuft, besser nicht tief einatmen, denn es duftet nicht gerade nach Rosen und Lavendel.
Der alte Mann hat einen Hund. Eine Art Schäferhund.
Als wir vor einem Jahr hierher gezogen sind, sah der Hund noch einigermaßen gepflegt aus.
Inzwischen ist er fast völlig kahl, total abgemagert, die Haut ist faltig und scheint wie verrückt zu jucken, denn das Tier versucht sich ständig zu kratzen.
Als ich gestern mit unserem Hund raus musste, hab ich ihn am Straßenrand stehen sehen und all meinen Mut zusammen genommen.
Hab ihn gefragt, was mit ihm und seinem Hund los ist, ob der Hund genug zu fressen bekommt.
Er versicherte mir, dass es nicht am Futter liegt, dass der Hund so aussieht, sondern daran, dass seine Nachbarn illegal mit Gas heizen und die Abgase in sein Haus leiten würden. Quasi ihn und seinen Hund vergiften. Angeblich sei die ganze Geschichte beim Anwalt und vor Gericht und so weiter.
Aber ganz ehrlich? Der Mann sieht nicht aus, als könnte er sich einen Anwalt leisten.
Als ich ihn fragte, ob er mit dem Hund mal beim Tierarzt war, sagte er, dass dieser angeblich nichts mehr tun könne, aber ich bezweifle, dass ein Tierarzt einen Hund in dem Zustand einfach so wieder nach Hause schicken würde.
Tja, und jetzt? Was soll ich tun? Weiter mit ansehen, wie der Hund da vor sich hin vegetiert?
So verrückt, wie das klingt, aber ich vermute, dass der Hund das einzige ist, was den Mann noch aufrecht hält.
Ich würde gerne helfen, weiß aber nicht wie. Und ich scheue mich davor, die Polizei zu rufen oder das Veterinäramt.

Was mich wundert und vor allem ärgert ist, dass die unmittelbaren Nachbarn, die ebenfalls Hunde haben, das Elend einfach so mit ansehen.

Ich bin wirklich ratlos, was ich tun soll.
Vielleicht spreche ich erst mal mit unserer Tierärztin.

:(
 

Kommentare:

  1. Hi,
    hier brauchen wohl Mensch und Tier Hilfe! Der Mann wird es nicht besser können und was er sagt, klingt erfunden, weil die Scham sonst zu groß ist. Oder aber er ist stur und nimmt keinen Rat an. Das kann man aus der Ferne schlecht beurteilen. Gibt es denn keinen Sozialdienst bzw. Caritas bei Euch, denen man mal einen dezenten Tipp geben könnte? Andererseits besteht auch die Gefahr, daß man ihm den Hund wegnimmt und dann war's das auch für ihn. Die Tierärztin ansprechen, ist eine gute Idee. Vielleicht behandelt sie den Hund mal kostenlos, falls der Mann kein Geld hat?
    Ist wirklich ein Dilemma, ich kann Dich verstehen.

    Lieben Gruß
    Conny

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  2. Liebe Conni!
    Da hast du Recht... es ist echt ein Dilemma.
    Als ich ihn fragte, ob der Hund genug Futter bekommt, sagte er, er würde für 300 Euro im Monat Futter kaufen. Und daran merkt man ja, dass das nur so daher gesagt war. 300 Euro ist ja völlig übertrieben.
    Die brauchen wirklich beide Hilfe. Der Mann ist ja auch völlig verwahrlost. Ich frage mich halt nur... Bin ich die einzige, die sich Gedanken über diesen Mann mit seinem Hund macht? Haben die anderen schon versucht, ihm zu helfen und sind gescheitert?
    Immer, wenn ich an den armen Hund denke, kommen mir die Tränen.
    Liebe Grüße, Andrea

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  3. Ich muß ganz ehrlich gestehen, das ich null Ahnung hätte was ich machen sollte, das Du ihn überhaupt angesprochen hast, finde ich schon mutig.
    300 Euro ist echt unrealistisch, selbst wenn der Hund spezielles Futter bräuchte.
    In manchen Städten gibt es eine Tafel für Tiere, wo man Futter für die Vierbeiner abholen kann.Allerdings muß man sich natürlich überwinden und um Hilfe bitten, genauso wie für die (Menschen) Tafel, ist das für viele Menschen sicher nicht leicht.

    Liebe Grüße,Bianca

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