Freitag, 3. Juni 2011

Gewissensfrage...




Da, wo Herr Buchhändler und ich wohnen, ist es nicht wirklich schön. Wir haben zwar einen wunderschönen Blick vom Balkon in den begrünten Innenhof und auf den Rhein, aber das täuscht leider nicht darüber hinweg, dass wir in einem Stadtteil wohnen, in dem die Leute ihren Dreck einfach auf die Straße werfen, die Polizei öfter als woanders Einsätze fährt, Kinder nicht so betreut werden, wie es eigentlich sein sollte, etc.

Dennoch versuchen einige, so wie wir auch, dagegen zu halten und es sich den Umständen zum Trotz schön zu machen.

Ein älteres Ehepaar hat daher am Rand eines öffentlichen Weges eine Art Garten angelegt, in dem zur Zeit wunderschöner weißer und lilafarbener Lavendel blüht.
Bisher hat es noch niemand gewagt, dort etwas zu zerstören, weil es einfach schön anzuschauen ist.

Gestern bin ich auf meiner abendlichen Runde mit dem Hund unterwegs und sehe, dass eine Frau, die ihr Fahrrad neben sich her schiebt, beide Fahrradkörbe vorn und hinten voller Lavendel hat. Ein paar Meter weiter war dann klar, dass sie sich über den Lavendel am Wegesrand her gemacht hatte. Aber mit solch einer Brutalität, dass mir fast die Tränen in die Augen geschossen sind.
Ich war wirklich fassungslos und konnte es mir nicht verkneifen, sie anzusprechen und zu fragen, ob ihr nicht klar sei, dass dieser "Garten" jemandem gehört, der ihn hegt und pflegt und mit Liebe angelegt hat. Ob sie denn nicht ein schlechtes Gewissen deswegen habe.
Das einzige, was sie dazu zu sagen hatte, war, dass ich mich nicht aufregen soll, denn es seien ja noch genug Blüten dran.
Könnten Sie sich unter diesen Umständen an dem "geklauten" Lavendel erfreuen? Ich könnte es jedenfalls nicht.
Ein weiterer Grund von dort wegzuziehen: die Menschen.

Trotzdem... sonnige Grüße,

Ihre Frau Buchhändlerin

Kommentare:

  1. Oje,...ja..das kenne ich...ich habe auch schon in solchen Gegenden gewohnt,..schade,..das die meisten Bewohner wenig lernfähig sind, wirklich schade...
    Aber tröste dich, auch in anderen Wohnumgebungen kann man sich "wundern" *lach*
    Schönes Wochenende Frau Buchhändlerin!
    Groetjes,
    Maren

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  2. Ach Menno, Menschen die sich selbst immer am nächsten sind, könnte man liebend gerne mit aller Kraft auf den Mond schießen, nicht wahr!?
    Das ist so ein Egoismus, wie ich ihn aus vollem Herzen hasse: Hauptsache ich! Dass andere sich nun nicht mehr an Blüten + Duft erfreuen können, über sowas wird noch nicht mal im Ansatz nachgedacht!
    Aber glaub mir: solche Leute gibt es nicht nur bei Dir "da drüben" (*g*), die findest Du in jeder Stadt und jeder Himmelsrichtung.
    Ich find´s jedenfalls toll, dass Du die "Kläuerin" angesprochen hast auf ihr Tun - das hätte auch nicht jeder getan!!

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